Deutscher Soldatensender Deutscher Freiheitssender

logo        logo

Standort: Das Studio und die Redaktion befanden sich auf dem Gelände des Funkhauses Grünau.
Sendezeitraum: 1.Oktober 1960  bis  30.Juni 1972  24.00 Uhr
Frequenz: 935 KHz  (Mittelwelle) Sendeanlagen wurden gemeinsam mit den Freiheitssender 904 genutzt.
Mitarbeiter: bis zu 30 Personen.
Sendezeiten: 18.00 bis 18.45 ; 20.15 bis 20.45 und 23.30 bis 0.30 ; Ab 1962 kam noch eine Morgen- und
Mittagssendung dazu. 6.15-7.15/12.30-13.30. Nachtsendung wurde eine Stunde verlängert bis 1.30 Uhr

Deutscher Soldatensender 935:   Link: deutscher-soldatensender.de


Soundbeispiele "Deutscher Soldatensender" ** 37:34
Geschichte des "Deutschen Soldatensenders 904" ** 02:59
"Der Laubfrosch hat die Farbe gewechselt" - Geheimes Radio im Kalten Krieg ** 01:04:55
Geschichte des "Deutschen Soldatensenders 904" ** 22:54

Ein Feature von © 2000 Deutschlandradio Berlin (08.11.2000) über die beiden
DDR-Propagandasender Deutscher Freiheitssender 904 und Deutscher Soldatensender 935
von Angelika Perl und Peter Kainz ** Sprecher: Uta Prelle, Gerd Wameling, Axel Wandtke


Die Durchsagen des "Deutschen Freiheitssenders 904" gaben immer wieder Anlass zu Spekulationen: Wer sendet da wem Botschaften, und wo sitzt die Redaktion? Nachdem die KPD in der Bundesrepublik verboten worden war, ging "904" im August 1956 von einem geheimen Ort in Ost-Berlin auf Sendung.

Vier Jahre spüter folgte der "Deutsche Soldatensender 935" mit seinem Programm "gegen" die Bundeswehr. Beide Sender wurden von der DDR finanziert. Die meisten Hörer hatten sie Mitte der 60er Jahre, aus Ost und West kamen Tausende von Zuschriften. Redakteure, Sprecher und Techniker erzählen zum ersten Mal öffentlich aus dieser Zeit.
Nach 1945 geht der Krieg im Äther weiter. Als die KPD 1956 in der Bundesrepublik verboten wird, beginnt im August der "Deutsche Freiheitssender 904" von einem geheimen Ort in Ost-Berlin aus zu senden. Der Sender Calais diente Chefredakteur Heinz Priess zur Orientierung.

Freiheitssender 904:


DFS-Deutscher Freiheitssender 904 am 19.06.1956 ** 09:56
Soundbeispiele "Deutscher Freiheitssender 904 ** 14:22

Soldaten- und Freiheitssender:

Gehen die Frequenzen schon aus den Namen hervor: "Deutscher Freiheitssender 904"
Nein, der Sender hat ab 1956 [vom ersten Tag des Verbots der westdeutschen KPD durch das Karlsruher Verfassungsgericht, der Tag läßt sich bestimmt in Archiven finden] mindestens bis weit in die 60er Jahre immer auf der Splitfrequenz 904 gesendet, das war schon durch das durchdringende Interferenzpfeifen im alten Röhrenempfänger mit scheunentorgroßem Eingang festzustellen. London 908 und Mailand 899 fielen schon damals stark in Deutschland ein.

Burg hatte 4 x 125 kW Tesla Sender im Einsatz, d.h. man hatte verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, registriert waren immer 250 kW Sender (2 x 125). Sprecher ua. Elisabeth Süncksen (Kathrin) und Wolfgang Meyer (Joachim), Günter Kunert (Wolfgang) sowie Helga Krüger (Heike) und Gero Schreier (Thomas). Die Geheimsender 904/935 wurden oft gehört.

Der Soldatensender hatte sein Studio im Hauptquartier Grünau, Regattastraüe 267 bei Berlin, jetzt Bundeswehr, die KPD sendete aus Koepenick.

Morgens war Sendebeginn um 6:15 Uhr. Das war ungefähr auch unsere Aufstehzeit. Die erste Abendsendung ging von 18:00-18:45 Uhr, dann wurde der Sender auf die Frequenz des Freiheitsenders umgetrimmt, der von 19- 20:00 Uhr arbeitete. Um 20:15 Uhr war für eine halbe Stunde wieder der Soldatensender dran. Von 21-22:00 Uhr der Freiheitsender. Die zweite halbe Stunde auf 904 war überwiegend musikalisch meist deutsche Schlager. Der Soldatensender kam dann noch mal um 23:30 Uhr. Lächerlich war die

Postadresse des Soldatensenders:
Werner Schütz, Postfach 116, Berlin W8
.

Berlin W8 war natürlich in Ost- und nicht in Westberlin.

Der Deutsche Soldatensender unterstand dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) Störsender Ost: Der Ex Chef des "Deutschen Freiheitssenders 904" packt aus : Achtung Fürster, Hamster bohnert! von Werner H. Krause

"Am 17. August war erstmals im Äther der Deutsche Freiheitssender 904 zu hören. Alles lief äusserst geheimnisvoll ab. Es unterblieb jegliche Information über die Macher, geschweige denn über den Sendestandort oder den Sitz der Redaktion.

Kommentatoren und Nachrichtensprecher parlierten in bayerischer Mundart oder im behäbigen Dialekt des Ruhrpotts. Die knapp gehaltenen Wortbeiträge waren in ein Stakkato von schmissiger Musik eingebettet, wie es erst Jahrzehnte später typisch für die deutsche Rundfunklandschaft werden sollte.

Dazwischen gab es merkwürdige Durchsagen etwa in der Form: "Achtung Förster, der Hamster bohnert, der Wachs ist alle", oder "Ab sofort darf rechts und links überholt werden, aber erst bei Sonnenuntergang'". Das waren geistige Anleihen vom Soldatensender Calais, den die Allierten im Zweiten Weltkrieg installiert hatten. Ein Teil der obskuren Mitteilungen waren verdeckte Anweisungen für die Kuriere der KPD; die Partei war gerade verboten worden. Initiator des "Deutschen Freiheitssenders 904" war das Zentralkomitee der SED. An der Spitze stand Heinz Priess, ehemals Chefredakteur der Hamburger Volkszeitung, des KPD-Organs in der Hansestadt.

Alles, was mit dem Deutschen Freiheitssender 904 zu tun hatte, blieb bis zum Ende der DDR streng gehütetes Geheimnis. Heinz Priess, heute 82jährig, hat darüber inzwischen den Schleier gelüftet.

Das lose Mundwerk der Moderatoren und die flotte Musik brachten dem Sender viele Zuhörer. Doch nicht wie beabsichtigt in Westdeutschland, sondern überwiegend in der DDR. Der Sender erwies sich als Rohrkrepierer. Das führte dazu, daü eines Tages der damalige Armeegeneral Heinz Hoffmann dem Chefredakteur die Leviten las: "Hör mal, mein Lieber, wenn du mit deinem Sender meine Soldaten weiter verrückt machst, kannst du was erleben." Dazu Priess: "Offiziell galten wir als ein Westsender. Wurden NVA-Angehürige beim Hören von 904 erwischt, hatte dies disziplinarische Maßnahmen zur Folge." Einzelheiten über den Aufbau des Senders bekam Priess im Sommer 1956 von Hermann Matern, dem Vorsitzenden der Zentralen Parteikontrollkommission beim ZK der SED, mitgeteilt.

Es galt: "Keiner braucht zu wissen, wo das Ding steht!" Die Sendetürme befanden sich in Burg bei Magdeburg; es wurde auf einer Frequenz gesendet, die bis dahin der sowjetischen Armee vorbehalten war. Die Redaktion setzte sich aus Redakteuren der aufgelösten westdeutschen KPD-Zeitungen zusammen. Das Brett vor ihrem Kopf hatte noch keine Bohlenstörke angenommen. Die Redaktion etablierte sich zunächst in einem Ausweichstudio in Grünau und zog alsbald in eine Villa am Bestensee. Nichts deutete auf den Sendebetrieb hin. Alles ging konspirativ vonstatten. Getarnt waren auch die Arbeitsverhältnisse. In den Sozialversicherungsausweisen wurden falsche Arbeitsstellen eingestempelt. Von dort erfolgte auch die Entlohnung. Täglich stiegen die Mitarbeiter in einen unauffälligen Bus, der sie vom Berliner Stadtzentrum hinaus nach Bestensee brachte. Für einen ständigen Nachschub an "heißen Scheiben" sorgten KPD-Emissäre.

Was sie in westdeutschen Schallplattengeschäften erwarben, gelangte über den S-Bahnhof Friedrichstraüe in die DDR. "Oftmals", so Priess, "ließen wir im Sender sogenannte Luftballons steigen. Darunter waren erfundene Nachrichten zu verstehen." Manche westdeutsche Medien fielen darauf herein. Für die Mitarbeiter stellte der Sender eine politische Nische dar. Sie blieben verschont von Telefonanrufen des Presseamtes der DDR, konnten weitgehend nach eigenem Gutdünken vorgehen. Gelegentlich bezeichnete Oskar Neumann vom KPD-Vorstand den Sender als ein Sammelbecken von "Revisionisten". Doch Folgen hatte das nicht.

Mit Bildung der sozial-liberalen Koalition 1969 in Bonn stellte die SED Propagandaaktionen ein. Das betraf auch den sogenannten Deutschen Soldatensender, den die DDR zur Beeinflussung der Bundeswehr geschaffen hatte. Auch sämtliche Störsender verschwanden. Die Wirksamkeit des Deutschen Freiheitssenders 904 bezeichnet Priess als gleich Null. "Nichts wurde da in Bewegung gebracht, nur die Musik kam an."

Sein jetziger Lebensbericht stellt auch eine Abrechnung mit dem Mißbrauch kommunistischer Ideale dar. So erlebte er als Bataillonskommandeur der Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg nicht nur Heroisches. Eines Tages machte im Schutz einer Hügelkette ein PKW halt. Ihm entstieg ein Mann in funkelnagelneuer Uniform und den Abzeichen eines Hauptmanns. Er stellte sich Priess als Fritz Leissner vor und wünschte den Frontabschnitt zu besichtigen. Als plötzlich heftiges Gewehrfeuer einsetzte, verschwand er eiligst. 1951 begegnete ihm Heinz Priess in der DDR wieder. Der Mann hieß jetzt nicht mehr Leissner, sondern Erich Mielke und sorgte in Spanien für die "Säuberung" der eigenen politischen Kader. "Im Kreis der früheren Spanienkümpfer ließ sich Mielke niemals blicken", erinnert sich Heinz Priess, "er ging allen Zusammenkünften aus dem Wege." Ein anderer, der nur eine Stippvisite in Madrid und Barcelona gemacht hatte, um dort eine Propagandarede zu halten, Walter Ulbricht, hätte sich nur zu gern mit den Meriten eines Spanienkämpfers geschmückt. Bei einer Ehrung von Spanienkämpfern wurde der von Ulbricht kaltgestellte Franz Dahlem mit nicht endenwollendem Beifall empfangen. Als sich Ulbricht zum Podium begab, rührte sich keine einzige Hand. "Das hat er uns nie verziehen", erzühlt Priess. "Möglicherweise war dies für seinen Entschluß ausschlaggebend, Mitte der 50er Jahre die VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) in der DDR aufzulösen."

Sein Fazit: "Wir sind nicht am Klassenfeind, sondern an uns selbst gescheitert."


Logo